Dienstag, 8. Mai 2007
Einleitung II
Vollgefressen und mich auf meinen (alten) neuen Bürostuhl™ zurücklehnend, den Blick aus dem Fenster des 3. Stockes eines Nürnberger Altbaus schweifend lassend... herrlich.
Dazu Songs aus meiner Zahnspangenära im Ohr, nach einem anstrengenden, aber irgendwie auch schönen Arbeitstag.
Seminare sind prima, um aus 25jährigen Frauen wieder kleine Schulmädchen zu machen, inklusive versteckter Briefchen und leisem Kichern, wenn der Seminarleiter fragend in ihre Richtung guckt.
Und da glaubte man bisher doch eine gewisse Grundreife erreicht zu haben, die man als erwachsen bezeichnen könnte.
Nach dem heutigen Tage weiß ich es besser.

Aber wie könnte es, nüchtern und mit genügend geistigen Abstand betrachtet auch anders sein, wenn man mit Menschen zusammenlebt, die zum Essen Nudeln mit Sauerkrautsoße machen? Das man gewillt ist, dieses Experiment mitzumachen, ist nur der buchstäbliche Sahnetupfen.
Da haben sich schon die richtigen gefunden, möchte man ihnen fast zurufen.

In der Wohnung ist es ruhig. Abgesehen von der Musik, die nur ich leise vor sich hinplätschern höre. Selbst die vier Katzen sind in diesem Augenblick ruhig.

Ruhig... weil nur Herr Koch und Frau fairytale anwesend sind. Von den Katzen eben abgesehen. Frau Mitbewohnerin / Beste Freundin™ sowie das Ergebnis einer 3 Jahre zurückliegenden Vereinigung von Herr Koch und Frau Mitbewohnerin / Beste Freundin™ weilen außerhalb.
Genauer gesagt bei Sonne und Strand in einem Land, in dem die Wahl des neuen Häuptlings einige Unregelmäßigkeiten provozierte.
In der Türkei.

Ein wenig neidisch bin ich schon, wenn ich die Zweige der Bäume dort draußen vor dem Fenster hin- und herschwanken sehe, in einen grauen Himmel hineinreichend.
Aber Sonne... davon, so sagt man mir, hatten wir in den letzten Wochen doch wahrlich genug.

Mag stimmen, aber blau stimmt mich fröhlicher als grau.

Vielleicht, so denke ich mir, streiche ich die Wände blau. In Schwammtechnik. So wie eine ehemalige Freundin von mir es tat und dafür einen ganzen Tag ihrer kostbaren Zeit opferte.
Man fühlte sich wie in einen Wolkenpalast versetzt.

Aber dann entsinne ich mich, das der Fall aus dieser Höhe, und sei es auch nur psychosomatisch, recht schmerzhaft ist und verwerfe die Idee wieder.
Mattes Weiß ist vollkommen ausreichend.
Und man spart sich beim Auszug die Renovierung.
Sehr praktisch.
Finanziell und arbeitstechnisch hervorragend durchdacht.
Von dem Überdruss, den man spätestens beim nächsten Aufwachen fühlen würde gar nicht zu sprechen.

Vielleicht nicht den typischen Reifegrad einer selbstständigen, arbeitenden Mittzwanzigerin, kommt mir der Gedanke, aber auch 18jährige können durchaus vernünftige Phasen durchlaufen...
Also setze ich mein geistiges Alter auf 18 Jahre fest, und die Welt ist wieder zur Gänze in Ordnung. Mit 18 Jahren darf man sich noch so manchen Fehltritt erlauben, und es wird einen nicht als Unfähigkeit, sondern als jugendliche Erfahrungssuche attestiert.

Und wieder ein Problem gelöst.

Die Musik verklingt, und ich kehre langsam wieder zurück in die Realität der Nürnberger Altbauwohnung...

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